Schnell abnehmen egal wie


Wer seinen Kilos den Kampf ansagt, hofft oft auf schnelle Anfangserfolge, um motiviert zu bleiben. Die schnellsten und drastischsten Effekte versprechen Radikaldiäten bis hin zur Null-Diät. Ein sinnvoller Weg zur Wunschfigur ist das Hungern jedoch nicht. Denn: Initial können durch ein hohes Energiedefizit zwar rasch einige Pfunde purzeln, den langfristigen Erfolg verhageln aber Stoffwechselveränderungen, Muskelabbau und der berüchtigte Jo-Jo-Effekt. Im Extremfall drohen sogar bleibende gesundheitliche Schäden.

Die Evolution hat dem menschlichen Organismus beigebracht, in Zeiten von Nahrungsmangel den Stoffwechsel herunterzufahren. Wenn wir unseren Grundumsatz nicht decken, werden bereits nach etwa 8 bis 10 Tagen erste Weichen verstellt. Wie bei Tieren im Winterschlaf sinken Körpertemperatur, Herzfrequenz und Blutdruck, gleichzeitig schütten die Nebennieren vermehrt Stresshormone aus. Um den Energiebedarf der lebenswichtigen Organe zu decken, baut der Körper seine Energiereserven ab: Zunächst verbrennt er die kurzfristig verfügbaren Glykogenspeicher aus Muskulatur und Leber, dann zunehmend Speicherfett.

Leider können diese Quellen jedoch kein Eiweiß zur Verfügung stellen, sodass der Körper auf Muskelprotein zurückgreifen muss, wenn nicht ausreichend Eiweiß mit der Nahrung zugeführt wird.

Bis zu 70 Gramm Eiweiß mobilisiert er zu Beginn der Hungerphase täglich aus der Muskulatur. Zur anfänglich schnellen Gewichtsabnahme beim Fasten tragen auch Wasserverluste ganz erheblich bei. Wenn die Waage also zunächst 1 Kilogramm pro Tag weniger anzeigt, ist das keinesfalls ein nachhaltiger Erfolg. Langfristig verlieren Fastende 200 bis 500 Gramm pro Tag durch Abbau von Fett- und Muskelgewebe. Übrigens: Beim Fettabbau schrumpfen immer nur die Fettvorräte in den Zellen, die Fettzellen selbst bleiben erhalten – und warten auf bessere Zeiten.

Im Hungerstoffwechsel übersäuert der Körper, da vermehrt sogenannte Ketonkörper entstehen. Dadurch kann es zu Gicht und Nierenschäden kommen.

Wer freiwillig hungert, verweigert seinem Körper außerdem lebensnotwendige Vitamine und Mineralien.

Zusammen mit dem Eiweißmangel erhöht dies die Infektanfälligkeit. Gerät der Flüssigkeits- und Mineralhaushalt durcheinander, drohen im Extremfall gefährliche Herz-Kreislauf-Beschwerden bis hin zum plötzlichen Herztod.

Abgesehen von solch schweren Risiken ist eine Blitzdiät auch schlichtweg nicht erfolgsversprechend. Denn durch den veränderten Stoffwechsel und die verringerte Muskelmasse sinkt der Grundumsatz. Zusätzlich wird der Organismus auf vermehrte Fetteinlagerung bei Nahrungsüberschuss programmiert, um für kommende Hungerzeiten vorzusorgen. Wer wieder anfängt zu essen, hat es umso schwerer, eine neutrale Kalorienbilanz und das erkämpfte Gewicht zu halten – meist sind die ungeliebten Pfunde bald wieder da. Langfristig hilft gegen sie eben keine radikale Diät, sondern nur eine radikale Umstellung der Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten.

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